Singapur·Februar/März 2015·1.2825° N, 103.8600° O

Singapur: Einmal hoch und runter im SG50-Jahr

Von der Marina Bay bis zum Nachtzoo, im Jahr, in dem der Staat 50 wurde.

Singapur lässt einem keine Zeit zum Ankommen. Am Flughafen bekommt man gedanklich einen Laufzettel. Zwei Wochen. Ende Februar bis Anfang März 2015. Dass die Stadt gerade chinesisches Neujahr feierte, hatte ich nicht auf dem Schirm. SG50 stand auf jedem zweiten Plakat, das Jubiläum war mit singapurischer Gründlichkeit durchorganisiert.

Mein Basislager: das Holiday Inn Express am Clarke Quay. Bequem. Auf dem Dach ein riesiger Pool, fünf Minuten vom Zimmer entfernt. Perfekt.

Marina Bay: ein Surfbrett auf drei Türmen

Das Marina Bay Sands sieht aus, als hätte jemand ein Surfbrett auf drei Wolkenkratzer gelegt. Obendrauf der SkyPark mit dem Infinity-Pool, 191 Meter über der Stadt. Ein Ende ragt einfach frei in die Luft. Ich war wirklich beeindruckt.

Geschwungene Dächer vor den Türmen des Marina Bay Sands
Dächer und Linien an der Marina Bay

Gleich nebenan: Gardens by the Bay. Künstliche Superbäume, die nachts leuchten. Echte Bäume dazwischen. Zwischen Palmwedeln hindurch geschaut, wirken die Hoteltürme wie ein Fund im Dschungel.

Supertree Grove in den Gardens by the Bay bei Tag, gerahmt von pinkfarbenen Blüten unter blauem Himmel
Supertree Grove bei Tag, gerahmt von pinken Blüten

Zurück am Wasser wird es still.

Drei Männer machen Mittagsschlaf auf einem Holzdeck an der Marina Bay, dahinter die Skyline
Siesta mit Skyline — mittags an der Marina Bay

Eines meiner Lieblingsmotive der Singapur-Reise: drei Männer auf einem Holzdeck direkt am Wasser. Mittags zur Siesta hingelegt. Hinter ihnen die Skyline. Keiner schaut hin. Singapur gilt als Stadt der Effizienz. Diese drei beherrschten vor allem die Pause.

An der Marina Bay City Gallery hingen hunderte pinkfarbene Kreise mit Geburtstagswünschen aus aller Welt. SG50 zum Anfassen. In einer der Scheiben mein Spiegelbild mit Kamera. Na ja, eigentlich mehr Kamera als ich.

Spiegelbild des Fotografen in einer Glasscheibe der Marina Bay City Gallery mit SG50-Glückwunschkreisen
Ich, gespiegelt zwischen Geburtstagswünschen — SG50 an der Marina Bay City Gallery

Chinatown: Jahr der Ziege

Februar 2015. Chinesisches Neujahr, Jahr der Ziege. Chinatown hatte sich komplett umdekoriert. Über den Hauptstraßen schwebten hunderte leuchtende Glücksmünzen-Laternen.

Leuchtende Glücksmünzen-Laternen über einer Straße in Chinatown zur blauen Stunde
Glücksmünzen über Chinatown — Neujahrsdeko zur blauen Stunde
Marktstand in Chinatown mit Neujahrsgebäck in roten Dosen und Gläsern
Neujahrsgebäck: alles für 5 Dollar, Verhandeln zwecklos

An einem Marktstand stapelten sich Ananas-Törtchen bis unter die Zeltplane. Kandierte Früchte, Gebäck in roten Dosen. Fünf Dollar stand auf dem Pappschild. Der Blick der Verkäuferin machte klar: Das ist kein Verhandlungspreis. Ich habe gekauft. In einem Tempeleingang wachte ein Drache, grün geschuppt und rot umrandet. Gesichtsausdruck zwischen „Willkommen“ und „Benimm dich“.

Farbenprächtige Drachenskulptur in Grün und Rot an einem chinesischen Tempel
Der Türsteher — Drachenskulptur am Tempeleingang

Tank Road: siebzig Götter, dann aufgegeben

An der Tank Road steht der Sri Thendayuthapani Temple, seit 1859 der Tempel der Chettiars, südindischer Geldverleiher. Davor der Torturm, der Gopuram. 23 Meter hoch, bis oben voll mit bunten Götterfiguren, Etage über Etage. Ich stand davor und habe versucht zu zählen. Bei siebzig Figuren habe ich aufgegeben und einfach fotografiert.

Farbenprächtiger Gopuram des Sri Thendayuthapani Temple an der Tank Road mit zahlreichen Götterfiguren
Der Gopuram an der Tank Road — ein Wimmelbild in den Himmel gebaut

Little India

Weiter nördlich wechselt die Stadt die Tonart. Aus den Läden scheppern Bollywood-Hits.

Kerbau Road. Kerbau ist Malaiisch und heißt Büffel. Der Name stammt aus der Zeit, als hier Wasserbüffel gehalten wurden. Heute hängt in der Kerbau Road Gold an roten Wänden, Kette neben Kette, Armreif neben Armreif, bis unter die Decke. Auf dem Schild an der Wand steht EST 1948. Der Laden ist also älter als der Staat, dessen Geburtstag ja draußen auf jedem zweiten Plakat gefeiert wurde. So viel Gold ohne riesiges Security-Aufgebot auf offener Straße zu sehen, hat heutzutage schon fast Seltenheitswert.

Goldschmuckladen in der Kerbau Road in Little India: rot ausgekleidete Vitrinen voller Goldketten und Armreifen, am Glastresen Kunden auf roten Hockern und ein Juwelier mit Taschenrechner
Kerbau Road — Gold statt Büffel, EST 1948 laut Schild

Irgendwo in Little India kam ich mit einer Familie ins Gespräch. Drei Generationen, vom Baby bis zur Großmutter im leuchtend roten Sari. Viel Lachen, wenig gemeinsames Vokabular. Am Ende durfte ich ein Foto machen.

Lächelnde Frauen in bunten Saris in Little India, eine junge Frau trägt ein Kleinkind auf dem Arm
Drei Generationen in Little India

Im Fort Canning Park, auf dem Rückweg, saß eine Gruppe junger Leute beim Picknick. Alle in Schwarz. Alle mit Peace-Zeichen und einem Lächeln in die Kamera.

Junge Leute sitzen lachend beim Picknick im Park und zeigen Peace-Zeichen
Parkpicknick — mit Peace-Zeichen

Night Safari: Zoo, aber nachts

Der Abend, auf den ich mich am meisten gefreut hatte. Die Night Safari, der erste Nachtzoo der Welt, eröffnet 1994. Die Logik ist bestechend: Die meisten tropischen Säugetiere sind nachtaktiv. Also fährt man in offenen Bahnen durch die tropische Dunkelheit, dezent beleuchtet. Das ist schon ein bischen gruselig.

Fotografisch war der Abend ein Flop. Dunkel war es, Blitzen verboten. Die Tiere hatten null Verständnis für lange Belichtungszeiten. Also habe ich die Kamera irgendwann eingepackt und einfach nur geschaut.

Der rote Punkt mit der Aufschrift "SG50" verfolgte mich zwei Wochen lang. Bis bald, kleiner roter Punkt.

SingapurMarina BayChinatownLittle IndiaNight SafariSG50

Quellen & Recherche

Diese Story basiert nicht nur auf eigenen Erinnerungen. Ein paar Fakten habe ich recherchiert und mit folgenden Quellen abgeglichen. Wer will, kann selbst nachlesen.

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