Der erste Ball, den ich hier getroffen habe, flog nicht weit. Er hoppelte ein paar Meter und blieb im Gras liegen. Stewart sagte nichts. Er wartete nur, bis ich den Schläger wieder aufnahm. Genau hier habe ich Golf gelernt. Auf diesem Platz. Mit diesem Pro. Und bis heute stehe ich hier, wann immer der Kalender es erlaubt – bei Sonne, bei Wind, bei dem Handicap, über das wir am besten schweigen.
Der Pro und die Grundlagen
Stewart hatte diese trockene Art. Kein großes Lob, kein Drama. Er korrigierte Griff und Stand, stellte sich daneben und ließ mich schlagen. Irgendwann flog der Ball wirklich. Nicht weit, aber sauber. Ich weiß noch, wie leise es plötzlich um mich herum wurde. Nur der Schläger, der Ball und das kurze Geräusch, wenn er den Schlägerkopf verlässt.
Das Team im Club ist so geblieben. Freundlich, geduldig. Auch wenn man den falschen Schläger zieht und so tut, als wäre es Absicht gewesen.
Tipp: Am Anfang reicht eine Schnupperstunde. Mehr braucht man nicht, um zu merken, ob einem der Sport liegt.
Die Golfschule
In der Craig Miller Golfschule steht die Technik neben dem alten Handwerk. Video-Analyse, Flightscope, Computer. Man schlägt, schaut sich den Schwung hinterher an und versteht plötzlich, warum der Ball links oder rechts weggeht. Vier Pros arbeiten hier. Stewart war einer von ihnen. Die anderen heißen Craig Miller, Martin Hastie und Lukas Exner.
Der Sport selbst hat sich kaum verändert. Schläger schwingen, Ball suchen, durchatmen, von vorne.
Tipp: Die Video-Analyse lohnt sich besonders in den ersten Monaten. Man sieht Dinge, die man selbst nie spüren würde.
Der Platz und seine Geschichte
Der Verein wurde 1967 gegründet. Elf Leute, Gaststätte Winkelmann, 10 D-Mark Aufnahmegebühr. Gespielt wurde damals auf dem Steel Tree Course, einem 9-Loch-Platz, den amerikanische Soldaten auf einem ehemaligen Wehrmachtsflugplatz angelegt hatten. Heute liegt die Anlage in Burgstall. 18 Löcher, eröffnet 2004. Das Clubhaus steht so, dass der Himmel über Franken am Abend oft genau richtig einfärbt. Der Neubau soll im Mai 2027 fertig sein.


Am ersten Abschlag steht eine Standuhr. Gestiftet vom Juwelier Winnebeck. Goldener Kasten, klare Anzeige. Kein Handy, keine App. Man schaut hoch, gleicht die Zeit ab und geht auf die Bahn.
Tipp: Den Blick vom Clubhaus am späten Nachmittag nicht verpassen. Das Licht ist dann am besten.
Die Stadt der gesenkten Blicke
Herzogenaurach ist mehr als der Golfplatz. Die Aurach teilt die Stadt. Auf der einen Seite Adidas, auf der anderen Puma. 1948 zerstritten sich die Brüder Adolf und Rudolf Dassler. Die Fabrik wurde geteilt. Aus der Familienfehde wurde eine Stadtfehde. Man schaute zuerst auf die Schuhe des Gegenübers, bevor man grüßte. Oder eben nicht.
1954, beim Wunder von Bern, sicherte sich Adidas kurz vor dem Finale den Bundestrainer. Puma kam zu spät. Der Wettlauf ging weiter, irgendwann auch auf dem Golfplatz.
TaylorMade, Cobra und eine Kappe
Adidas brachte TaylorMade mit nach Herzogenaurach. Eine Fitting-Station entstand direkt am Club. Später verkaufte Adidas die Marke wieder. Puma antwortete mit Cobra. Das Performance Center steht schwarz und kantig am Übungsgrün. Im oberen Stock der Academy liegt eine weiße Puma-Kappe mit silbernem P. Darunter die Unterschrift von Rickie Fowler.


Man geht vorbei und sieht beides, die globale Marke und den kleinen Raum, in dem sie hier in der Vitrine liegt.
Tipp: Das Cobra Performance Center kann man von außen gut sehen. Wer rein will, sollte vorher kurz nachfragen.
Nach der Runde
Der Puma Brand Store liegt keine zehn Minuten entfernt. Das Adidas Outlet gleich um die Ecke. Beide sind nach einer Runde gut zu erreichen. Man steht dann da mit dem Bag im Auto und den beiden Logos im Blick und dann kommt die Frage: Wohin dieses Mal zuerst?


Fazit
Ich spiele hier, weil ich hier angefangen habe. Weil Stewart Geduld hatte. Weil der Platz still genug ist und die Stadt laut genug Geschichten erzählt. Hier macht Golf Spaß. Auch mit meinem Handicap.
Mein Rat bleibt einfach: Erst eine Stunde nehmen. Dann entscheiden. Und wer schon spielt – einfach hinfahren. Der Rest ergibt sich auf der Bahn.
Häufige Fragen zum Golf-Club Herzogenaurach
Wann wurde der Golf-Club Herzogenaurach gegründet?
1967, von elf Golfbegeisterten in der Gaststätte Winkelmann, Aufnahmegebühr 10 D-Mark. Gespielt wurde anfangs auf dem Steel Tree Course, einem 9-Loch-Platz auf einem ehemaligen Wehrmachtsflugplatz. Die heutige 18-Loch-Anlage im Ortsteil Burgstall eröffnete 2004.
Wo liegt der Golf-Club Herzogenaurach?
Im Ortsteil Burgstall bei Herzogenaurach in Franken, Adresse Burgstall 1, 91074 Herzogenaurach, auf 49.5531° N, 10.8794° O.
Wer unterrichtet an der Craig Miller Golfschule?
Vier Pros. Craig Miller selbst. Martin Hastie. Stewart Kemp, mein eigener Pro. Lukas Exner.
Warum liegen sich Adidas und Puma in Herzogenaurach gegenüber?
1948 zerstritten sich die Brüder Adolf und Rudolf Dassler endgültig. Die gemeinsame Schuhfabrik wurde geteilt. Adolf blieb auf der einen Seite der Aurach und gründete Adidas, Rudolf zog auf die andere Seite und gründete Puma. Seitdem sitzen beide Marken in derselben Stadt.
Quellen & Recherche
Diese Story basiert nicht nur auf eigenen Erinnerungen. Ein paar Fakten habe ich recherchiert und mit folgenden Quellen abgeglichen. Wer will, kann selbst nachlesen.
- Historie Golf-Club Herzogenaurach
- Golfschule GC Herzogenaurach
- Craig Miller Golf Academy
- Neubau Clubhaus, GC Herzogenaurach
- Die Stadt der gesenkten Blicke, fluter.de
- Rudolf Dassler, Wikipedia
- TaylorMade Ownership Timeline, greenfeed.news
- Puma Acquires Cobra Golf, offizielle Pressemitteilung
- Rickie Fowler Cobra Puma seit 2009, Yahoo Sports
- Koordinaten GC Herzogenaurach, GolfPass